Herr Graf, was ist das Besondere am REMONDIS Recyclinghof in Schaffhausen?
Geht nicht, gibt’s nicht bei uns. Im RECYLAND nehmen wir praktisch sämtliche Reststoffe aus Privathaushalten an, die bei Bürgerinnen und Bürgern anfallen – vieles davon sogar kostenfrei. Bei uns können sie Kehricht entsorgen, aber auch Altpapier, Altglas und Karton sowie Batterien, Kunststoffverpackungen und Elektrogeräte. Auch Reststoffe, die eine besondere Behandlung benötigen und deshalb kostenpflichtig sind, können bei uns abgegeben werden. Dazu zählen beispielsweise Bauschutt und Holzabfälle, Matratzen, Autoreifen oder Altkleidung. Gegen Gebühr nehmen wir auch Sonderabfälle wie Chemikalien und Lösungsmittel an. Wir verfolgen ein Gesamtentsorgerkonzept. Unsere Devise lautet: „Einer für alles.“
Das heisst: Wer zu Ihnen kommt, muss nicht mehrere Entsorgungsstellen anfahren?
Genau. Das ist einer der Vorteile unseres Standorts. Wenn beispielsweise nach einer Renovierung neben Kehricht auch Bauschutt, alte Möbel oder Farbreste anfallen, können die verschiedenen Abfälle direkt in einer Fuhre bei uns abgegeben werden. Für die anschliessende Verwertung und das Recycling arbeiten wir mit weiteren Spezialgesellschaften von REMONDIS in der Schweiz zusammen. Unser Ziel ist es, Wertstoffe aus Abfällen zurückzugewinnen und geeigneten Verwertungswegen zuzuführen.
Sie haben täglich Kontakt zu vielen Menschen. Wie sieht Ihr eigener Arbeitsalltag aus?
Ich bin hauptsächlich für das operative Geschäft zuständig. Dazu gehören Briefings und Disposition, aber auch Vertrieb, Kundenbetreuung, Akquise und Netzwerkarbeit. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist zudem die Kundenberatung. Wir sind nicht nur für Privathaushalte da, sondern auch für Gewerbe, Industrie, Kommunen und Gastronomiebetriebe. Dafür entwickeln wir individuelle Entsorgungskonzepte, organisieren Personal, Fahrzeuge und Behälter und arbeiten mit unseren Partnerunternehmen zusammen. Zeitgemässes Abfallmanagement erfordert umfassendes Know-how. Es geht längst nicht mehr nur darum, Abfälle zu entsorgen, sondern darum, passende Lösungen für die Wiederverwertung unterschiedlicher Stoffströme zu entwickeln. Kein Tag ist wie der andere. Genau das macht den Beruf für mich so spannend.
Das RECYLAND Schaffhausen bietet Dienstleistungen auch für Gewerbe und Industrie?
Ja, wir entwickeln für unterschiedliche Branchen individuelle Komplettlösungen – von der Abfallberatung und Kehrichtentsorgung über Muldenservices bis zur Beseitigung von Sonderabfällen. Unser schweizweites Logistik- und Anlagennetz ist auch bei der Erstellung von Entsorgungskonzepten gefragt. Vieles davon passiert im Hintergrund und wird von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen. Ein Beispiel ist das Festival „Stars in Town“, das Ende Juli/Anfang August 2026 in der Schaffhauser Altstadt stattfand. Gemeinsam mit dem Organisationsteam haben wir für die konsequente Trennung und den Abtransport der Reststoffe gesorgt. So bleiben die Festivalflächen sauber. Solche Projekte machen natürlich besonders viel Spass. Man trägt dazu bei, dass Besucherinnen und Besucher unbeschwert feiern können – und hört bei der Arbeit auch noch Live-Musik.
Sie arbeiten seit knapp 20 Jahren in der Recycling-Branche. Was fasziniert Sie daran?
Ich habe in all den Jahren in diesem Beruf keinen einzigen Tag erlebt, an dem mir langweilig war. Ich liebe Logistik. Das hat mich schon als Kind begeistert. Bei Transportern, Muldenfahrzeugen oder Kippladern habe ich schon immer grosse Augen bekommen. Heute motiviert mich vor allem, dass ich etwas bewegen kann – und das im doppelten Wortsinn. Gemeinsam mit meinem Team bewege ich grosse Mengen Abfälle jeglicher Art und führe sie dem Recyclingprozess zu.
Bei der Abfalltrennung ist wichtig, dass auch die Menschen mitmachen. Wie ist Ihr Eindruck?
Die Schweizerinnen und Schweizer sind beim Sortieren sehr engagiert. Die meisten Menschen geben sich wirklich Mühe, Abfälle getrennt zu sammeln. Ein gutes Beispiel ist PET: Obwohl es in der Schweiz kein Pfand auf diese Getränkeverpackungen gibt, liegt die Rücklaufquote bei rund 90 Prozent. Das zeigt, dass Recycling im Alltag bereits einen hohen Stellenwert hat. Damit das so bleibt und sich noch verbessert, engagieren wir uns auch bei der Nachwuchsarbeit. Wir bieten beispielsweise Führungen für Schulklassen an und zeigen den Kindern, wie wichtig es ist, Materialien dort weiterzuverwenden, wo es möglich ist. Bei uns lernen sie sozusagen das Recycling-ABC. Das macht nicht nur den Schülerinnen und Schülern Spass, sondern auch mir und meinem Team.
Sie sprechen vom Team – wie viele Menschen arbeiten auf dem Recyclinghof Schaffhausen?
Bei uns arbeiten insgesamt 25 Mitarbeitende, darunter zwei Auszubildende. Zu unserem Team gehören Fahrer für die unterschiedlichen Fahrzeuge, Anlagenführer für die Pressen sowie Personal im Service, das unsere Kunden bei der Abgabe ihrer Reststoffe unterstützt. Gerade an einer Sammelstelle ist der persönliche Kontakt wichtig. Es gibt viele unterschiedliche Abfallfraktionen und entsprechend viele Fragen: Wo gehört Styropor hin? Was passiert mit leeren Nesspressokapseln? Wohin mit alten Batterien und Knopfzellen? Unsere Mitarbeiter helfen den Kunden direkt vor Ort bei der richtigen Zuordnung. Denn richtiges Trennen ist die Grundlage dafür, dass möglichst viele Materialien wiederverwertet werden können. Diesen Service bieten wir gerne.
Wann können die Kunden zum Recyclinghof Schaffhausen kommen? Welche Öffnungszeiten haben Sie?
Unsere Betriebszeiten sind ein weiterer Pluspunkt. Das RECYLAND Schaffhausen hat von Montag bis Frei-tag bereits ab 7 Uhr geöffnet und schliesst erst um 18 Uhr. Von 12 bis 13 Uhr ist Mittagspause. So können viele Kunden ihren Besuch gut in ihren Alltag integrieren, vor oder nach der Arbeit vorbeikommen. Samstags haben wir von 9 bis 16 Uhr durchgehend geöffnet. Dann ist bei uns im RECYLAND am meisten los. Nur sonntags bleibt der Recyclinghof Schaffhausen geschlossen. Wer dennoch am Sonntag seinen Kehricht entsorgen will, kann auf unseren Standort in Wallisellen ausweichen. Je nachdem, wo man wohnt, ist das auch eine Option. Im MÜLLILAND gibt’s am Sonntag zwar keinen Service, aber kostenlose Abfallmengen können mit der MÜLLICARD dort rund um die Uhr an der Self-Service-Station abgegeben werden.
Wie kommen die Kunden zum RECYLAND Schaffhausen?
Die meisten kommen mit dem Auto oder Transporter. Dafür haben wir ausreichend Parkplätze, auch für grössere Fahrzeuge mit Anhänger. Über die A4 sind wir gut an das Schweizer Autobahnnetz angebunden. Aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort gut erreichbar. Von der Bushaltestelle Schaffhausen Buchbergstrasse, wo der 23-er Bus hält, sind es nur drei Minuten Fussweg. Manche Kunden kommen sogar mit dem Lastenrad oder Scooter. Bei uns ist jeder willkommen – ganz gleich, wie die Abfälle angeliefert werden. Und wer nicht selbst zu uns kommen kann oder möchte, kann unser RECYTAXI nutzen. Dieses lässt sich einmalig oder im Abo buchen und wird besonders von Menschen geschätzt, die nicht mehr so mobil sind.
Was sind aktuell die grössten Herausforderungen für Sie?
Da fallen mir spontan die Vapes ein. Alte E-Zigaretten gehören auf keinen Fall in den Kehricht, sondern zum Elektroschrott und sollten separat beim Wertstoffhof abgegeben werden. Das Problem ist die Brandgefahr: Vapes enthalten fest verbaute Lithium-Ionen-Akkus. Werden diese in Müllfahrzeugen oder Müllpressen beschädigt, kann es zu Bränden kommen. Darum mein dringender Appell an alle Vaper: Bitte alte E-Zigaretten nicht im Kehricht entsorgen, sondern separat beim Elektroschrott abgeben. Das ist wichtig, denn Vapes enthalten unter anderem Lithium und weitere Metalle. Bei uns werden die Geräte deshalb in Spezialfässern gesammelt. Wir trennen die enthaltenen Stofffraktionen fachgerecht und führen verwertbare Materialien den entsprechenden Verwertungswegen zu.
Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für den Recyclinghof Schaffhausen?
Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen wissen, was sie bei uns im RECYLAND abgeben können. Viele kennen unseren Standort gar nicht und wissen entsprechend auch nicht, welch breit gefächertes Spektrum an Abfällen wir annehmen. Das fängt bei A wie Altholz an reicht bis zum Z wie Zeitungen. Wir möchten den Menschen eine einfache Möglichkeit bieten, ihren Güsel richtig zu entsorgen und wiederverwertbare Reststoffe vernünftig zu trennen. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn die Bürgerinnen und Bürger die Entsorgung bei uns als unkompliziert erleben und ihre Abfälle den vorgesehenen Verwertungs- und Entsorgungswegen zugeführt werden können.
Herr Graf, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Rohan Graf, Niederlassungsleiter REMONDIS Recycling Schaffhausen
Rohan Graf leitet seit Anfang 2022 die Niederlassung der REMONDIS Recycling AG in Schaffhausen. Bereits seit 2007 ist er bei REMONDIS Schweiz in den Bereichen Logistik, Finanzen und Entsorgung an den Standorten Schaffhausen, Genf und Graubünden tätig.
Vor seinem Einstieg bei REMONDIS in der Schweiz absolvierte Rohan Graf eine Bürolehre mit Zusatzausbildung zum Zolldeklaranten sowie eine kaufmännische Lehre mit Weiterbildung zum Speditionskaufmann. Rohan Graf ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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